Kunst braucht Meinung – Hintergrund zur Ausstellung

von    geschrieben in 
01/02/2020

Ceci n’est pas une banane.“
 Computer Generated Image, Maxon Cinema 4D, ca. 2006
…oder kann das weg?

Kunst ist subjektiv
Nicht jeder Betrachter muss jedes Kunstwerk schön finden oder gar verstehen. Aber auch wenn man mit der ein oder anderen Arbeit nichts anfangen kann, bleibt es Kunst. Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ihr, ob positiv oder negativ, ist letztlich der grundlegende Sinn hinter der Kunst.   

Kunst irritiert
Ein paar aktuelle Schnappschüsse aus der Welt der „Großen“ Kunst, die mir in den letzten Wochen während der Arbeit an diesem Blog über die Tastatur huschten und Erstaunen bei mir zurück ließen.

ntv online vom 08.12.2019: …Künstler verspeist Banane im Wert von 120.000 Dollar
Art Basel in Miami, USA (und ich dachte Basel liegt in der Schweiz). Mister D. Datuna hat ein Kunstwerk gegessen. Gehörte allerdings zu einer Installation. Schön festgehalten auf einem Instagram-Video. War eine Performance mit dem Titel „Hungry Artist“. Also Sozialkritik. Gut, dass die jetzt nur noch Bananenschalen besitzende Galerie Perrotin und der Bananen-Künstler Mauricio Cattelan locker blieben. Die Banane sei auszutauschen, denn man habe nur ein Authentizität-Zertifikat und die Rechte an der Idee gekauft. Cattelan ist übrigens auch schon mal ein fünf Millionen teures Klo aus Gold geklaut worden.
Kunst war zu allen Zeiten immer ein Mittel, um Reichtum und Macht zu demonstrieren: Klöster und Kirchen, Könige und Despoten beauftragten oder sammelten die größten geschaffenen Kunstwerke, um mit ihrem Glanze zu strahlen. Heute ersteigern saudische Prinzen einen zumindest fragwürdigen Leonardo („Salvator Mundi“) für 450 Millionen Dollar. Sieht man sich auf dem Gemälde die dargestellte Glaskugel an, weiss man, ob es ein echter Leonardo ist oder nicht, eine Werkstattarbeit oder vielleicht nur nur eine clevere Fälschung. Spätestens wenn das Bild, das sich momentan sehr rar macht und nicht ausgestellt wird, aber in ein paar Jahren im Louvre Abu Dhabi als echter Leonardo aus der Versenkung wieder auftaucht, ist die Herkunft manifestiert und sind die Besucherströme, die die langfristige Investition wieder einspielen, gesichert.
„Große“ Kunst als Anlage-Investment. 

www.daserste.de am 19.02.2020: …Ai Wei Wei geht in den Baumarkt
Der in Deutschland unglückliche und sich wahrscheinlich missverstanden fühlende Ai Wei Wei schöpft noch (ein letztes Mal) den künstlerischen Bodensatz ab und startet eine Kampagne mit einem großen deutschen Baumarkt. Da kann sich jeder Warnschutzjacken á 36 Euro und mehrere Meter Metallrohre, Kabelbinder etc. kaufen und die zuhause aufbauen – Anleitung inklusive. Kunst vom Welt-Flüchtling für die heimische Garage. Schade, dass ich nur einen Stellplatz habe. Schön, wenn andere das als „Die Banalisierung der Kunst“ bezeichnen, wie in einem Kommentar auf ntv.de. Man beachte: Banalisierung nicht Bananisierung.
„Große“ Kunst als Marketing-Strategie. 

www.monopol-magazin.de am 19.02.2020: …Marina Abramovic „The artist is not present“
In London zeigt die hochgeschätzte Marina Abramović aktuell ihre neue Performance „The Life“. Wer nicht da ist: die Künstlerin herself. Per Mixed-Reality-Experiment tritt für die Künstlerin ein virtuelles Abbild auf (Zitat: „Die Virtualisierung der Performance-Kunst ermöglicht nicht nur eine völlig neue Chance der Haltbarkeit, sondern auch einen weiteren Schritt in Richtung eines demokratisierten Zugangs.“). Das geht dafür dann auch jederzeit an mehreren Orten auf der ganzen Welt – mit der  Vervielfachung der möglichen Einnahmen – die gute wird auch nicht jünger. „Große“ Kunst will gerne „großes“ Geld.

deutschlandfunkkultur.de am 20.02.2020: …Allianz der Freien Künste kritisiert Grundrente 
Laut Allianz der Freien Künste fallen nach einer Statistik der Künstlersozialkasse 20.000 Künstlerinnen und Künstler unter den im Gesetzesentwurf zur Grundrente vorgesehenen 30 Prozent des jährlichen Durchschnittseinkommens (das sind 11.361 Euro im Jahr oder 946,75 Euro monatlich) – auf deutsch: 20.000 Künstlerinnen und Künstler verdienen mit ihrer Kunst weniger als 950 Euro im Monat. „Nicht ganz so große“ Kunst ist oft brotlos.

Dazu passt auch eine weitere Statistik der Künstlersozialkasse: Das Durchschnittseinkommen der aktiv Versicherten (ca. 65.000 Versicherte im Bereich Bildende Kunst) betrug zum 1.1.2019 ca. 17.900 € (männlich 20.700 € / weiblich 14.900 €). Wenn man das dann noch durch 12 Monate teilt, dann möchte man das nicht glauben. Die Zahlen in den Bereichen Darstellende Kunst / Wort / Musik sind übrigens ähnlich. Schauspielerinnen unter 30 sind mit einem Durchschnittsverdienst von 10.300 € pro Jahr (858 € pro Monat) das Schlusslicht.
Eine Statistik, womit Künstler ihren Lebensunterhalt wirklich bestreiten, wäre auch nicht schlecht. 

Kunst braucht Kommentare 2.0
Frei von finanziellen Zwängen nach verkaufbarer Kunst zu sein, bedeutet aber auch die Freiheit von externer Markt-Beeinflussung. Malen, was man will oder was einen bewegt – ohne Rücksicht auf den Reiz des Geldes. Das ermöglicht idealerweise eine Konzentration auf das Wesentliche: Die freie Entwicklung neuer Motive, die malerische Umsetzung des Entwurfes und die Verbesserung der eigenen malerischen Fähigkeiten. Aber nichts ist hilfreicher, als von Zeit zu Zeit die Arbeiten zu präsentieren und die ehrlichen Meinungen anderer Kunstinteressierter aufzunehmen, die dann in zukünftige Arbeiten einfließen.

Neben der öffentlichen Ausstellung im Historischen Rathaus in Warendorf sind alle Exponate in diesem BLOG erfasst und mit Anmerkungen zur Entstehung und Motivation versehen. So können zu allen Arbeiten etwaige Fragen oder Anregungen der Ausstellungs- oder Online-Besucher kurzfristig beantwortet oder kommentiert werden.

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